Louis Sclavis, Aldo Romano, Henri Texier
Michel Portal/ Bojan Z
Multiphonics Festival on tour

Louis Sclavis, Aldo Romano, Henri Texier

Das „Carnet des Routes“ Trio des französischen Klarinettisten Louis Sclavis mit Aldo Romano und Henri Texier ist für einige der bekanntesten Jazzplatten der moderneren Jazzgeschichte verantwortlich. Nachdem alle drei in den letzten Jahren eigene Projekte verfolgten, ist das in Deutschland fast nie zu hörende Ensemble 2015 Gast des Multiphonics Festivals.

Die drei Platten Carnet des routes, Suite Africaine und African Flashback des Trios Sclavis, Romano, Texier haben in den vergangenen 20 Jahren zweifelsfrei Jazzgeschichte geschrieben. Die Stücke stammen von allen drei Mitgliedern, korrespondierend zu Fotografien des afrikanischen Alltagslebens des Fotojournalisten Guy le Querrec, dessen atmosphärische Arbeit die Grundlage aller drei Alben darstellte. Louis Sclavis ist seit den 80er Jahren einer der aktiven Kristallisationspunkte der französischen Jazzszene und wird allgemein als einer der wichtigsten europäischen Instrumentalisten insbesondere auf der Bassklarinette betrachtet.

Besetzung:
Louis Sclavis – bcl
Henri Texier – kb
Aldo Romano – dr

Michel Portal / Bojan Z

Michel Portal ist eine lebende Legende auf der Klarinette, sowohl im klassischen, als auch im zeitgenössischen Bereich - mehr aber noch im Jazz! Wenige Monate vor seinem 80. Geburtstag wird Michel auf dem Multiphonics Festival in Köln auftreten und mit seinem Duopartner, dem Pianisten Bojan Z., selbst als bester europäischer Jazzmusiker 2005 ausgezeichnet, spielen. Zudem gibt es weitere Konzerte in Frankfurt, Stuttgart und Fulda, sowie eine jeweils 2-tägige Masterclass für Holzbläser (Portal) und Pianisten (Bojan Z).
Seine letzte Veröffentlichung hatte Portal 2011 mit dem Album Bailador auf Universal. Bailador bedeutet Tänzer auf Spanisch. Eine wunderbare Charakterisierung für Portals leichtes, stets virtuoses Klarinettenspiel. Kritiker verwenden seit Jahren Superlative, um sein Schaffen zu bewerten. Junge Musiker sehen ihn als gleichermaßen zugänglichen, aber auch anspruchsvollen Anführer der Jazzszene und seine Anhänger sind von seiner unstillbaren Abenteuerlust beeindruckt.  Dennoch ist Michel keine Figur wie andere im Bereich des Jazz und der Avantgarde. Die Risikofreudigkeit ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen und er lehnte es immer hartnäckig ab, als "Galionsfigur" des Jazz bezeichnet zu werden, ein Status, der ihm eigentlich seit Jahrzehnten zusteht. Als versierter Improvisator lebt er die genannte Abenteuerlust weiterhin auf der Bühne aus. Er spielt immer noch klassische Literatur mit dem Elan des ehrgeizigen Nachwuchssolisten, und geht die Arbeit im Tonstudio an, als sei es ein reizvolles und gefährliches Spiel.

Sein aktuelles, 2011 auf Universal erschienenes Album Bailador mit Gästen wie dem Gitarristen Lionel Loueke, wurde von seinem Freund Bojan Z. arrangiert und produziert. Die Musik auf Bailador ist opulent, mitreißend, brillant und anspruchsvoll. Alle Eigenschaften von Portal sind zu hören. Präzision und Spaß, Kompetenz und Großzügigkeit, umwerfende Technik, Freude am Überfluss. Portal ist omnipräsent. Ein verspielter Genussmensch, der es liebt andere teilhaben zu lassen, gleichzeitig ein intellektueller Spitzenmusiker. Und hinter all dem stand Michels Wunsch "einfache Melodien und offene Themen" zu haben, die "sich entwickeln, als würden sie mit einem Fragezeichen enden".

Michel Portal steht im Rufe ein schwieriger Interviewpartner zu sein, von Zweifeln und Fragen durchzogen, geprägt von offenen Wunden und störrischem Eifer. Aber seine Musik hat alle Sorgen längst hinter sich gelassen. Es ist ein Antidot zur aktuellen Zeit und zum heutigen Klima. "Unsere Gesellschaft weckt in mir nicht gerade den Wunsch zu tanzen; dieser Wunsch aber, steckt in der Platte".

Michel gilt als einer der größten Meister zeitgenössischer Musik auf B-Klarinette. Anders klingt er auf der Bassklarinette, oder wenn er Sopransaxophon spielt. Hier distanziert er sich von den glatten, reinen, Klängen, die klassische Dirigenten so schätzen.

"Ich suche nach einem Sound, der nicht glattpoliert ist; ich mag es, wenn der Klang sich verändert, ein wenig schmutzig ist. Ich habe immer noch das Gefühl, mich im Bereich der Jazz, v.a. in dieser Hinsicht, weiterzuentwickeln. Das ist eine weite Reise! Und, wie schon Jan Garbarek sagte, "I put jazz high upthere". Wenn ich mir die Fotos von all diesen Monstern ansehe, die ich in meinem Leben sehen und hören durfte, dann kann ich mir kaum anmaßen besser als sie sein zu wollen. Aber ich kann all meine Erinnerungen an die Musik einbringen. Ich versuche einen Punkt zu erreichen, an dem mein Vibrato dann so klingt, wie das des alten Typen in Louisiana vor vielen Jahren. Dann – vielleicht, nur vielleicht – kann das Ziel sein, dass ich wie dieser alte Typ bin".

Viele, auch wir vom Multiphonics Festival, sind der Meinung, dass Michel, auch wenn er es gar nicht versucht hat, es durchaus besser gemacht hat als einige dieser "Monster", denen er zuhören durfte. Man kann sein Werk, ähnlich wie die Platte Bailador, auch als Selbstbildnis eines zeitaktuellen Musikers verstehen, eines Musikers mit umfassender Kenntnis nahezu aller Sparten des Jazz. Das Resultat zeigt eine vielfältige Farbpalette, mit genauso vielen leuchtenden Farben, wie Pastelltönen, mit soviel lebendiger Bewegung, wie meditativer Langsamkeit. Ein Künstler, der weit über den üblichen Debatten und Kategorisierungen - Avantgarde, Klassik oder Crossover- steht. Michel Portal sorgt dafür, dass seine Musik Gehör findet. Musik, die passioniert ist, virtuos, erleuchtet und fortwährend neu.

Besetzung:
Michel Portal – cl, bcl, ss       
Bojan Zulfikarpasic – p